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Informationen über Heilkräuter und Heilpflanzen

Johanniskraut - Hypericum perforatum *

Allgemeines zum Johanniskraut

Echtes Johanniskraut ist bei Botanikern unter dem wissenschaftlichen Namen Hypericum perforatum bekannt. Seine phantasievollen volkstümlichen Namen Blutkraut, Frauenkraut, Wundkraut oder Teufelsflucht sind für den Laien aussagekräftiger, weisen sie doch bereits auf einige der hochinteressanten Eigenschaften der Heilpflanze hin. Das Echte Johanniskraut kann in der großen Hypericum-Familie auf stolze 450 "Geschwister" blicken, die an Heilkraft aber alle weit unterlegen sind. Das erkannten bereits die Heilkundigen vor vielen Jahrhunderten, und so kann das Johanniskraut auf eine lange Tradition in der Volks- und Alternativmedizin blicken. Wegen seiner - inzwischen wissenschaftlich nachgewiesenen - Wirkung auf die Psyche wurde es im Altertum auch zum Austreiben von Dämonen genutzt - daher der Name "Teufelsflucht".


Vorkommen & Verbreitung von Johanniskraut

Johanniskraut wächst an sonnigen Weg- und Waldrändern, an Straßenböschungen, auf Wiesen und Brachen. Es ist weit verbreitet: Europa, Westasien, Nordafrika. Die Stauden lieben gemäßigtes Klima, gedeihen aber auch in wärmeren Regionen. Wegen seiner guten Anpassungsfähigkeit wurde es vielerorts eingebürgert. Andere, rund um das Johanniskraut angesiedelte Pflanzenarten werden häufig im Wachstum verdrängt. Man sagt daher auch, es wächst "invasiv", zerstört also umliegende Pflanzen.


Aussehen und Merkmale des Johanniskrauts

Die Blüten des Johanniskrauts leuchten im Sommer in einem strahlenden Gelb. Bis zu einem Meter hoch werden die Stauden, die üppig verästelte Stängel besitzen. Die zweikantigen Stängel sind ein besonderes Merkmal des echten Johanniskrauts. Außerdem die Samenhülsen, aus denen eine rötliche bis violette Flüssigkeit austritt, wenn sie aufgebrochen werden. Daher resultiert einer ihrer volkstümlichen Namen, nämlich "Blutkraut". Diese Flüssigkeit ist reich an Antioxidantien und schützt die Samen vor freien Radikalen - ein sehr raffinierter pflanzlicher Eigenschutz. Ganz typisch sind die einseitig gesägten, ovalen Blütenblätter mit winzig kleinen Öldrüsen im Blatt.

Inhaltsstoffe, Wirkung und Anwendung

Das echte Johanniskraut ist ein bekanntes und bewährtes Phytotherapeutikum. Zubereitungen aus dem Kraut (Extrakte) unterliegen den Regelungen des Europäischen Arzneibuches (PhEur). Die Anforderungen an die Qualität des Johanniskrautöls sind im Deutschen Arzneibuch (DAB) geregelt. Seit 1984 ist Hypericum perforatum von den Kommissionen E/ESCOP (wissenschaftliche Kommissionen zur Beurteilung pflanzlicher Arzneidrogen) als wirksames pflanzliches Heilmittel anerkannt. Grund dafür sind die zahlreichen wissenschaftlichen Forschungen, die die Wirkung der wertvollen Inhaltsstoffe des echten Johanniskrauts belegen konnten. Die Heilpflanze gilt als eine der am besten erforschten Heilkräuter.

Inhaltsstoffe & Wirkung von Johanniskraut

Und das sind die gesundheitsfördernden und heilenden Inhaltsstoffe: Ätherische Öle, Flavonoide, Gerbstoffe und Hypericin - das als natürliches Antibiotikum gilt, vor allem aber stimmungsaufhellend wirkt. Außerdem das angstlösende Hyperforin und die Vitamine B und C. Letztere unterstützen die Wirkung und das Zusammenspiel der Wirkstoffe. Durch dieses Zusammenspiel werden bestimmte Botenstoffe, nämlich Serotonin, Dopamin und Noradrenalin im Körper erhöht, was zu einer antidepressiven Wirkung führt.

Anwendung

Die Standardzulassung schreibt für die Packungsbeilage zur inneren Anwendung folgenden Wortlaut vor: "Zur Unterstützung der Behandlung von nervöser Unruhe und Schlafstörungen." Präparate mit echtem Johanniskraut gelten als ein ausgesprochen wirksames Mittel gegen depressive Verstimmungen. Sie wirken beruhigend, nervenstärkend, entspannend und zugleich kreislaufanregend und vitalisierend. Daher sind sie auch bei der häufig mit depressiver Verstimmung einhergehenden chronischen Müdigkeit angezeigt. Da Johanniskraut auch bei Symptomen des prämenstruellen Syndroms oder der Wechseljahre wie Kopfschmerzen, Stimmungsschwankungen oder Schlafstörungen ausgezeichnet hilft, gilt es auch als "Frauenkraut". Darüber hinaus werden ihm appetitsteigernde Wirkungen zugeschrieben.
Doch die Heilpflanze ist auch zur äußeren Anwendung hervorragend geeignet: Hier kommen ihre wundheilenden, blutstillenden, schmerzlindernden und antiviralen Eigenschaften zum Tragen. Johanniskraut gilt daher als ausgezeichnetes Wundheilmittel, vor allem bei Verbrennungen und Sonnenbrand - daher der volkstümliche Name "Wundkraut". Diese als "adstringierend" bezeichneten Wirkungen verdankt das Johanniskraut den enthaltenen Gerbstoffen. Es ist außerdem ein bewährtes Mittel bei Hautproblemen wie Juckreiz oder Hautunreinheiten. Auch bei Hexenschuss oder Gelenkschmerzen wird es eingesetzt, da es entspannend und wärmend wirkt.


Verarbeitung & Darreichungsformen

Nach der Ernte wird Hypericum perforatum zu Kapseln und Dragees, Tabletten, Pflanzenpresssäften, Tee, Tinkturen, Salbe oder Öl - dem sogenannten Rotöl - verarbeitet. Je nach Verwendung unterliegt es also verschiedenen, mehr oder weniger aufwendigen Herstellungsverfahren, die anschließend alle zu standardisierten Präparaten höchster Qualität führen. Die Präparate sind in Reformhäusern und Apotheken frei verkäuflich erhältlich. Für den Einsatz bei "mittelschweren depressiven Episoden" sind die Mittel seit 2009 allerdings verschreibungspflichtig.


Anbau & Ernte

Als typische Wildpflanze kann Johanniskraut ausgesät werden. Das kann im Herbst oder Frühjahr erfolgen. Zwar erscheint es auf den ersten Blick als anspruchslos. Soll es zur medizinischen Verwendung und industriellen Weiterverwendung geerntet werden, bedarf es aber eingehender Pflege. Es neigt zu Schädlings- und Pilzbefall. Geerntet wird in der Vollblüte, und zwar vor allem eben diese Blüten. Zu dieser Zeit ist der Wirkstoffgehalt am größten. Bis zu 20 cm unterhalb der Blüte wird auch das Kraut verwendet, insbesondere für Tee. Die Ernte erfolgt mit Mähladern.


Warnhinweise und mögliche Nebenwirkungen von Johanniskraut

Zunächst einmal: Die stabile Wirkung von innerlich angewendeten Johanniskrautpräparaten setzt erst nach einer Anwendungszeit von 4 bis 6 Wochen ein.
Eine typische Nebenwirkung ist die erhöhte Lichtempfindlichkeit - ausgedehnte Sonnenbäder sind also tabu.
In zu hoher Dosierung kann Johanniskraut leicht giftig wirken und bei empfindlichen Personen unerwünschte Nebenwirkungen wie Schwindel oder Magen-Darmprobleme auslösen.
Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sind ebenfalls möglich, etwa eine verringerte Wirkung der Anti-Baby-Pille. Daher sollte bei der Einnahme immer auch der Arzt zu Rate gezogen werden.


* Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der hier gemachten Informationen wird keine Gewähr übernommen. Die hier vorgestellten Informationen stellen keine Form der Beratung dar. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Ihren Hausarzt.

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