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Borretsch - Gewürz- und Heilpflanze - Borago officinalis *

Allgemeines

Borretsch Blätter
Borretsch Blätter

Borretsch, lateinisch Borago officinalis, ist eine Pflanze, die zur Familie der Raublattgewächse (Boraginaceae) gehört. Sie ist auch unter den Namen Gurkenkraut, Gurkenkönig und Kukumerkraut bekannt. In der Umgangssprache wird Borretsch auch als Herzfreude, Augenzier, Wohlgemuth, Herzblümlein und Blauhimmelsstern bezeichnet. Mit seinem unverwechselbaren Geschmack nach grünen Gurken ist der Borretsch in vielen Küchen nicht mehr wegzudenken. Auch in der Heilkunde werden die Wirkstoffe der Pflanze verwendet. Schon im 13. Jahrhundert wurde die Pflanze vom deutschen Gelehrten und Bischof Albertus Magnus als "Erzeuger guten Blutes" und durch einen französischen Naturarzt im 15. Jahrhundert als "die ganz Sanfte" bezeichnet.


Herkunft und Verbreitung

Seinen Ursprung hat Borretsch im Mittelmeerraum. In Mitteleuropa kultiviert man ihn seit dem späten Mittelalter, wodurch der Borretsch zu den Archäophyten gezählt wird. Dies sind Pflanzen, die von Menschen vor der Entdeckung Amerikas durch Christoph Columbus im Jahre 1492 nach Mitteleuropa eingeführt wurden. Kultiviert wurden diese Pflanzen meist in Klöster- oder Bauerngärten. Heute ist die Borretschpflanze neben den Mittelmeergebieten auch in Nordamerika sowie Mittel- und Osteuropa zu finden. In Deutschland wird Borretsch auch heute noch in Gärten angebaut. Er wächst aber vereinzelt auch wild auf nährstoffreichen Weiden. Vor allem auf nicht zu trockenen, humosen Böden und sonnigen Standorten fühlen sich die Pflanzen wohl.

Borretsch Blüten und Knospen
Borretsch Blüten und Knospen

Aussehen und Merkmale

Die Borretschstaude ist eine einjährige, krautige Pflanze, die meist eine Höhe von bis zu 75 Zentimetern erreicht. Sie besitzt eine Pfahlwurzel, die weitverzweigte dünne Nebenwurzeln aufweist. Die großen Grundblätter haben eine rosettenförmige Anordnung. Ihre gestielten, derben, kräftigen, sattgrünen Blätter sind bei ausgewachsenen Pflanzen handgroß und haben eine lanzettenartige, ovale Form. Sie sind wie auch die hohlen Stängel beidseitig stark behaart. Nach oben hin werden die Blätter deutlich kleiner und weisen einen welligen, unregelmäßig gezähnten Blattrand auf. Aufgrund ihrer ätherischen Öle verströmen die Borretschblätter einen leichten Gurkengeruch, von dem sich auch der Namen Gurkenkraut ableitet.

Im Mai bis in den Oktober blüht der Borretsch. Die sternenförmigen Borretschblüten weisen anfangs eine rosa Färbung auf, die sich aber während des Blühvorganges, der sogenannten Anthese, aufgrund der pH-Wert-Änderung während der Blütenentwicklung in ein leuchtendes Blau verwandeln. Die zwittrigen Blüten besitzen fünf grüne Kelchblätter. Diese sind mit Kelchzipfeln, die die Form einer Lanzette haben, verwachsen. Die Blüten setzten sich aus fünf blauen Kronblättern, die fünf Schlundschuppen bilden und mittig angeordnet sind, zusammen. Ihr eng stehender Streukegel wird von den violetten Staubblättern gebildet. Die Blüten befinden sich nickend an Blütenstielen einer Länge von circa drei Zentimetern. Der oberständige Fruchtknoten liegt mit dem Griffel innerhalb des Streukegels. Nach der Bestäubung entwickelt sich eine Klausenfrucht, die mehrere Teilfrüchte (Klausen) beinhaltet. Diese enthalten je einen vier bis sechs Millimeter langen, eiförmigen, dunkelbraunen Samen.

Da die Blüten protandrisch (vormännlich) sind, entwickeln sie die Staubbeutel vor den Fruchtblättern. Auch der Pollen wird vor dem Heranreifen des Stempels entlassen. In das weibliche Stadium kommen die Borretschblüten erst, wenn sie älter sind. Dadurch wird ausgeschlossen, dass sich die Pflanze selbst befruchtet. Um Nektar aufzunehmen, fliegen die Insekten die Blüte von unten an und ziehen dabei den schnabelförmigen Fortsatz, der sich an den Staubbeuteln befindet, herab. Der Pollen fällt auf ihr Hinterteil. Wenn die Narbe des Griffels nach dem Verwelken der Staubblätter gereift ist, besteht die Möglichkeit der Aufnahme der Pollen von den bestäubenden Insekten. Da hierbei der Farbstoff der Indikator ist, verfärbt er sich rot. Nur die bestäubenden Insekten, insbesondere Bienen und Hummeln, können diese leuchtenden Anflugmerkmale der Blüten, die die Insekten anlocken, erkennen.

Aber auch die Ameisen sorgen für die Verbreitung der Borretschpflanzen. An den Borretschsamen, auch als Nüsschen bezeichnet, befinden sich eiweißhaltige Körperchen (Elaiosom), die den Ameisen als Nahrung dienen. Deshalb transportieren sie die Nüsschen in ihren Bau und entfernen die Eiweißkörperchen. Die restlichen und sonst unbeschädigten Samen werden von den Insekten wieder aus dem Bau hinaus transportiert. Somit sorgen die Ameisen für die Verbreitung von Borretsch.


Anbau, Ernte und Sammelzeit

Der Anbau von Borretsch kann ganzjährig erfolgen. Damit er gut gedeiht, sollte der Boden, auf dem er ausgesät werden soll, nicht nur nährstoffreich und wasserdurchlässig sein, sondern auch immer feucht gehalten werden. Eine Düngung erübrigt sich bei nährstoffreichen Böden. Am besten gedeiht er an einem sonnigen Standort. Um zu gewährleisten, dass die Keimfähigkeit nicht eingeschränkt ist, sind nur Samen zu verwenden, die nicht älter als ein Jahr sind. Die Samen sind einen bis vier Zentimeter tief mit einem Abstand von fünf bis sieben Zentimetern in die Erde einzubringen. Der Reihenabstand sollte 30 bis 50 Zentimeter betragen, da die Pflanzen nicht nur groß, sondern auch buschig werden. Borretsch ist ein Dunkelkeimer, deshalb sind die Samen mit relativ viel Erde abzudecken. Borretsch in Kräuter- oder Gemüsebeeten zu säen, stellt kein Problem dar. Aufgrund seiner Attraktivität ist er auch im Steingarten oder Staudenbeet ein Hingucker. Da die Pflanzen sehr häufig unter Blattläusebefall leiden, ist es notwendig, sie auf Insektenbefall und Krankheiten zu kontrollieren.

Sind die Borretschpflanzen groß genug, können zwischen Mai bis Oktober die Blütenblätter und im Juni die Blüten geerntet (gesammelt) werden. Da die frostempfindlichen Blätter und Blüten nur schlecht konserviert werden können, sollten sie erst kurz vor dem Verbrauch frisch geerntet werden. Möglichkeiten, Borretschblätter haltbar zu machen, sind das Einlegen in Essig und Einfrieren fein geschnittener Blätter. Um die Blüten haltbar zu machen, können sie kandiert werden.

Inhaltsstoffe, Wirkung & Anwendung

Borretsch verfügt über zahlreiche Inhaltsstoffe, aufgrund derer die Pflanze in der Natur- und Pflanzenheilkunde heute eine wichtige Rolle spielt. Die Pflanze wirkt bei innerlicher Anwendung Stress mindernd, entspannend und beruhigend. Bei äußerer Anwendung wirkt sie entzündungshemmend, immunstärkend und antibakteriell.

Die Blüten beinhalten neben Schleimstoffen, die nach Hydrolyse Glucose, Arabinose und Galactose freisetzen, Allantoin und bis zu 17 Prozent Kaliumnitrat.

Das Borretschkraut enthält neben bis zu elf Prozent Schleimstoffen, die bei hydrolytischer Spaltung Glucose, Arabinose und Galactose liefern, eineinhalb bis zweieinviertel Prozent Kieselsäure, ätherische Öle, drei Prozent Gerbstoffe, Harz und Pyrrolizidinalkaloide. Unter diesen befindet sich das genotoxisch (erbgutschädigend) und cancerogen (krebserregend) eingestufte Alkaloid Amabilin und Supinin. Daher sollte Borretsch nicht regelmäßig gegessen werden. Aber auch das nicht toxische Thesinin ist vorhanden.

Angewendet werden die Blüten und das Kraut des Borretschs in der Pflanzenheilkunde bei Fieber, Harnverhaltung, akuter und chronischer Bronchitis sowie bei Durchfall, Rheuma, Entzündungen, zur Reinigung des Blutes und bei klimakterischen Beschwerden.

Das aus den Samen kalt gepresste Borretschöl ist reich an Wirkstoffen. Es enthält die mehrfach ungesättigte Omega-sechs-Fettsäure Linolsäure und Gammalinolensäure. Beide haben eine medizinische Wirkung. Auch Flavonoide und Gerbstoffe sowie einen hohen Vitamin C-Gehalt und Vitamin E hat Borretsch aufzuweisen.

Angewendet wird Borretschöl vor allem bei Hauterkrankungen, wie Neurodermitis, trockener und schuppiger Haut, Schuppenflechte und Juckreiz. Auch bei Entzündungen der Mundhöhle oder des Zahnfleisches hilft das Öl in verdünnter Form als Mundspülung. Des Weiteren reduziert das Öl den Wasserverlust der Haut und verbessert den Hautstoffwechsel. Die gesundheitlich bedenklichen Pyrrolizidinalkaloide sind in kalt gepresstem Borretschsamenöl nicht enthalten.

Aber auch in der Küche zur Verfeinerung von Salaten und Suppen wird Borretsch als Gewürzpflanze verwendet. Ein Fehlen des charakteristischen Gurkenkrautes in der berühmten "Frankfurter grünen Soße" ist ein No-Go. Als Dekoration auf Speisen sind die essbaren, wunderschönen, blauen Borretschblüten ein echtes Highlight.


Verarbeitung & Verwendung

Die Heilpflanze Borretsch hat dank ihrer verschiedenen Wirkungen in der Pflanzen- und Naturheilkunde einen festen Platz eingenommen. Sie kann je nach Leiden innerlich oder äußerlich angewendet werden.

Zur innerlichen Anwendung wird Borretsch in Form von Kapseln mit Borretschöl, Tabletten oder Tee dem Körper zugeführt. Sie sind in Apotheken, Drogerien und Reformhäusern erhältlich. Meist wird er als Herzmittel bei Herzschwäche, Herzstechen, Herzklopfen eingesetzt. Aber auch bei Schwermütigkeit, Blasen- und Nierenbeschwerden, Fieber und Husten wird Borretsch empfohlen. Bei der Einnahme von Tabletten und Kapseln ist auf die Dosierung in der Herstellerinformation zu achten.

Grundlage des Borretsch-Tees sind getrocknete, zerkleinerte Borretschblätter und Blüten. Von diesen werden ein oder zwei Teelöffel mit einer Tasse kochendem Wasser übergossen. Nach zehn Minuten wird der Tee abgeseiht und kann in kleinen Schlucken bis zu drei Tassen pro Tag getrunken werden.

Äußerlich kann Borretsch als Waschung, Bad oder Umschlag angewendet werden. Hierzu werden Tinkturen oder ein Absud aus der Pflanze eingesetzt. Besonders bei Neurodermitis, Ekzemen und anderen Hautproblemen, aber auch bei Geschwüren, Abszessen und Verbrennungen wirkt die äußerliche Anwendung von Borretschöl schmerzlindernd und beruhigend.
Für Waschungen, Bädern oder warmen Umschlägen wird ein Absud hergestellt. Dazu wird die ganze frische Borretschpflanze zerkleinert, und zwar circa 100 Gramm auf einen Liter Wasser. Die frischen zerkleinerten Pflanzenteile werden mit Wasser bedeckt und kurz aufgewellt. Nach 15 Minuten wird der Sud abgegossen.

Aber auch Tinkturen, Gelees und Salben, die meist nach Vorgaben des Arztes vom Apotheker frisch zubereitet werden, finden überwiegend bei Hauterkrankungen ihre Anwendung.


Warnhinweise & Nebenwirkungen

Schwangere und Stillende sollten auf Borretsch, egal in welcher Form, verzichten. Auch Menschen, die des Öfteren an Anfällen oder Blutgerinnungsstörungen leiden, sollten Borretsch meiden. In diesen Fällen oder bei Nutzung der Arznei über einen längeren Zeitraum wird angeraten, vor der Nutzung einen Arzt zu konsultieren.

Da Borretsch Spuren von Pyrrolizidinalkaloiden enthält, kann er, wenn er langfristig eingenommen wird, zu Problemen der Leber führen. Aus diesem Grunde sollten Borretschkraut und auch Blüten nur ab und zu in kleinen Mengen konsumiert werden. Wird Borretsch sachgemäß angewendet, sind kaum Nebenwirkungen zu erwarten.


Fazit

Der aus dem Mittelmeerraum stammende Borretsch ist eine, zu den Raublattgewächsen gehörende Pflanze, die in der Natur- und Pflanzenheilkunde einen festen Platz eingenommen hat. Sie wird zur innerlichen Anwendung in Form von Tabletten, Kapseln und Tee gereicht. Zur äußerlichen Anwendung wird Borretsch als Öl, als Tinktur oder als Absud genutzt. Als Gewürzpflanze ist Borretsch als Zugabe zu Salaten, Soßen und Suppen, aber auch als Dekoration von Speisen in der Küche anzutreffen. Da Borretsch neben wertvollen Inhaltstoffen auch Spuren von Pyrrolizidinalkaloiden enthält, sollte man sie, um Leberprobleme zu vermeiden, nur in kleinen Mengen zu sich nehmen. Richtig angewendet ist Borretsch eine vielseitig einsetzbare Gewürz- und Heilpflanze.


* Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der hier gemachten Informationen wird keine Gewähr übernommen. Die hier vorgestellten Informationen stellen keine Form der Beratung dar. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Ihren Hausarzt.

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