Themenübersicht:

Informationen über Heilkräuter und Heilpflanzen

Scharbockskraut - Ranunculus ficaria *

Allgemeines

Der einheimische Name des Scharbockskrauts leitet sich von der volkstümlichen Bezeichnung für eine ernste Erkrankung ab. "Scharbock" war die Bezeichnung für Skorbut, eine Vitamin-C-Mangelerkrankung, die im Mittelalter vor allem durch die Seefahrt bekannt wurde. So weist der Name bereits auf die gebräuchlichste Anwendung als Heilpflanze hin. Aber das Scharbockskraut hat noch viele andere Namen: Butterblume, Feigwurz, Gichtblatt, Himmelsgerste oder Himmelsbrot sind nur einige davon. In Holland kennt man es unter dem Namen Scheubut. Botanisch korrekt geht es in allen Fällen um "Ranunculus ficaria".


Vorkommen und Verbreitung

Das Scharbockskraut wächst in ganz Europa, praktisch vor unserer Haustür in lichten Laubwäldern, an Hecken und Gebüschen, in Parks und Gärten. Die niedrig wachsende Pflanze mag vor allem feuchte, nährstoffreiche Lehmböden, auf denen sie sich teppichartig ausbreitet. Sie ist also meist in großen Beständen anzutreffen. Scharbockskraut ist der erste Frühlingsblüher und bringt schon im März mit leuchtend gelben Blüten den Wald zum leuchten. Ende Mai zieht sich die Pflanze komplett zurück und macht Platz für andere Wildkräuter.


Aussehen und Merkmale

Kleine rundlich bis herzförmige Blätter, die an bis zu 10 cm langen Stängel sitzen und an den Blättern leicht gesägt sind, kennzeichnen das Heilkraut. Die Oberseite der Scharbockskraut Blätter ist glänzend dunkelgrün. Die sternförmigen Blüten sind relativ groß und leuchten in kräftigem Goldgelb. In den Achseln der Stängelblätter bilden sich kleine Brutknöllchen, die herabfallen und neue Wurzelknollen bilden. Zur Samenreife per Bestäubung kommt es nur selten. Scharbockskraut vermehrt sich überwiegend vegetativ. Der Frühblüher hat große Bedeutung für Bienen und andere Insekten, für die es eine wichtige Futterpflanze zu Jahresbeginn darstellt.


Inhaltsstoffe und Wirkung von Scharbockskraut

Die Blätter des Scharbockskrauts sind reich an Vitamin C. Daneben sind Saponine, Gerb- und Scharfstoffe sowie Ranunculin zu nennen. Aus Ranunculin entsteht das toxische (giftige) Protoanemonin.
Die Heilwirkungen, die dem Scharbockskraut zugesprochen werden, sind in erster Linie auf den Vitamin C-Gehalt zurückzuführen. Vitamin C (Ascorbinsäure) hat vielfältige Funktionen, macht beispielsweise freie Radikale unschädlich und fördert die Eisenaufnahme ins Blut. Ein Mangel macht sich durch Abgeschlagenheit und Schwäche bemerkbar, daher ist der Einsatz gegen Frühjahrsmüdigkeit eine überlieferte Anwendung. Die blutreinigende Wirkung, die die Blätter haben sollen, ist ebenfalls förderlich bei einer Frühjahrskur.
Gerbstoffe werden unter anderem in der Kosmetik eingesetzt, sie gelten als entzündungshemmend und reizmildernd. Daher wurde Scharbockskraut in der Naturheilkunde auch bei Hautproblemen und Hämorrhoiden verwendet. Saponine wirken leicht antibiotisch, sind in ihrer Bioverfügbarkeit in der Regel aber eher gering. Daher spielen sie hier wohl eher keine Rolle.
Eine Wirkung gegen Feigwarzen, die mit Umschlägen aus der zerstoßenen Wurzel herbeigeführt werden sollte, konnte nie wirklich bestätigt werden. Allerdings stammt einer der volkstümlichen Namen des Scharbockskrauts, nämlich" Feigwurz", ganz sicher aus dieser Quelle.


Anwendung des Scharbockskrauts

Nicht nur als Reiseproviant für Seefahrer, sondern auch als wichtiger Vitamin-C-Lieferant nach langen Wintern hatte das Scharbockskraut früher eine große Bedeutung. In Zeiten, in denen Zitrus- und andere exotische Früchte noch nicht verfügbar waren, konnte damit der winterliche Vitaminmangel schnell ausgeglichen werden. Die Blättchen sollten munter machen und die Frühjahrsmüdigkeit vertreiben. Die frischen Blätter können in kleinen Mengen pur gegessen werden, sie sind auch gut Salaten und Smoothies beizumischen. Schmackhaft ist eine Scharbocksbutter oder ein Wildkräuter-Frischkäse mit den zerkleinerten Blättchen. Je nach Gehalt an Protoanemonin schmeckt die Pflanze mehr oder weniger scharf und herb.
Die getrockneten Blätter können außerdem als Tee zubereitet werden. Der dient allerdings nicht der Vitamin-C-Versorgung, sondern soll von innen heraus bei Hautunreinheiten helfen. Gemischt mit Kamillenblüten kann aus dem Sud auch ein Umschlag gegen Hautprobleme oder ein Sitzbad gegen Hämorrhoiden gemacht werden. Das giftige Protoanemonin wird durch Trocknen und Überbrühen zerstört, das Vitamin C allerdings auch.
Früher wurden übrigens auch die kleinen Brutknospen und die Wurzeln verzehrt: Aus diesen Pflanzenteilen wurde nach dem Trocknen ein Mehl zum Backen hergestellt. Eingelegt in Essig und Öl bildeten die Brutknöllchen eine Art Kapernersatz.


Anbau und Ernte

Scharbockskraut gehört zur Pflanzenfamilie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae). Allen Gewächsen dieser Pflanzenfamilie ist gemeinsam, dass sie eine leicht giftige Substanz enthalten, das Alkaloid Protoanemonin. Der Gehalt steigt mit Beginn der Blütezeit, wodurch das ohnehin leicht giftige Scharbockskraut noch etwas giftiger wird. Deshalb sollte man die Blätter vor der Blüte ernten und nur in kleinen Mengen genießen. Allein die Blätter sind die arzneilich verwendeten Pflanzenteile. Sie werden frisch oder getrocknet eingesetzt. Mit dem scharfen Saft der Wurzelknolle lassen sich Warzen regelrecht wegätzen, was jedoch nicht unbedingt zu empfehlen ist.

Wer das Kraut in seinem eigenen Garten ernten möchte, kann die Wurzelknollen an geeigneten Stellen (nicht im Naturschutzgebiet) und nach Rücksprache mit dem Eigentümer ausgraben und im eigenen Garten eingraben.


Warnhinweise

Beim Sammeln von Scharbockskraut ist größte Vorsicht angeraten: Es besteht Verwechslungsgefahr mit der deutlich giftigeren Haselwurz. Deren Blätter sind allerdings nicht gekerbt und sie sind auf der Unterseite behaart. Beim Zerreiben entwickeln sie einen unangenehmen Duft. Um eine Verwechslung dennoch auszuschließen, empfiehlt es sich, potenzielle Sammelstellen im Frühjahr zu erkunden, wenn das Scharbockskraut an seinen Blüten zu erkennen ist. Im nächsten Jahr kann man dann vor der Blüte gefahrlos die Blätter sammeln.
Eine ebenfalls mögliche Verwechslung mit dem ungiftigen Gundermann ist harmlos. Der wirkt verdauungsfördernd und stoffwechselanregend und zählt ebenfalls zu den Heilpflanzen.

Nebenwirkungen von Scharbockskraut
Scharbockskraut ruft in größerer Menge Schleimhautreizungen hervor. Das fängt im Mundraum an und kann auch Magen, Darm und Nieren betreffen. Man sollte sich also an die individuell verträgliche Menge ganz langsam herantasten. Als Faustregel gilt: Ein Erwachsener sollte maximal eine Handvoll am Tag zu sich nehmen.


* Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der hier gemachten Informationen wird keine Gewähr übernommen. Die hier vorgestellten Informationen stellen keine Form der Beratung dar. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Ihren Hausarzt.

Heilkräuter & Heilpflanzen - beliebte Beiträge:


Impressum / Website empfehlen

Werbung

Ihre Anzeige hier !

Sie möchten ebenfalls auf dieser Seite werben?

Dann nehmen Sie bitte Kontakt mit uns auf. Gern binden wir an dieser Stelle Ihr Logo oder Ihren Werbe-Slogan ein.